2. HYDRO KOLLEKTIVE CAMP: INSIDE THE BENTHOS

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Expeditionstagebuch – Schlamm, Schweiß und Schichtungen

Zusammenfassung

Das 2. Hydro Kollektive Camp lieferte eine intensive Bilanz über vier Einsatztage in unterschiedlichen limnischen Systemen. Während wir in NAWITA See-ID: 13 vor einem ökologischen Rätsel stehen – massive Kalikokrebs-Dominanz bei fast totalem Ausfall der Fischfauna –, konnten wir in NAWITA See-ID: 103 (AQUA SOLV) präzise Sediment-Sondierungen für künftige Bergungen abschließen. Der Durchbruch gelang am dritten Tag mit der Lokalisierung des Drahtseils für Project-ID-016-260304-Morpheus. Ein Mix aus wissenschaftlichem Monitoring und technischer Arbeit, der unsere kommenden Wochen definieren wird.


LOGBUCH: Status-Update aus der Tiefe

Das Camp ist Geschichte. Vier Tage Thermoklinen, Sedimentschichten und logistische Hürden liegen hinter uns. Die Realität unter Wasser schreibt oft ein anderes Skript als unser Einsatzplan – wir waren an fast allen Spots erfolgreich, aber geschenkt wurde uns nichts.

TAG 1: Limnologische Bestandsaufnahme

Lage: NAWITA See-ID: 13

Team: Axel Grünewald, Dr. Stefan Nehreing, Michael Thees

Focus: Monitoring & Neobiota

Der Startschuss fiel bei bestem Licht. Die Thermokline fährt auf dem Chart zwar noch ordentlich Achterbahn, aber wir haben uns zu dritt durch die Schichten gearbeitet.

  • Sicht: Oben glasklar, unten stabil.
  • Flora: Erschreckend überschaubar. Grünalgen bis 4,4 m.
  • Neobiota: Massive Präsenz von Kalikokrebsen (Exuvien-Funde).
  • Fischbestand: Fast Nullrunde. Keine Schwarzmundgrundeln.
  • Apex-Predator: Nur ein einsamer Hecht zum Abschied.

Deep Dive & Analyse: Obwohl die solare Einstrahlung mit Spitzenwerten von über 7.700 Lux im Epilimnion ordentlich drückt, zeigt sich die submerse Makrophytenvegetation – abgesehen von vereinzelten Myriophyllum-Vorkommen – noch deutlich in der metabolischen Warteschleife. Während das Ausbleiben der Schwarzmundgrundel in unseren Transekten zwar eine kurzfristige Entlastung für das Benthos andeuten könnte, lässt die massive Akkumulation von Kalikokrebs-Exuvien in Kombination mit einer nahezu vakuumierten Fischfauna darauf schließen, dass das trophische Gefüge innerhalb dieses spezifischen Habitats eine komplexe strukturelle Verschiebung erfährt, deren Ursachen wir zwischen Fraßdruck und thermischer Schichtung noch isolieren müssen.

Einige Exuvien sind bereits im Labor-Beutel. Die Analyse läuft.


TAG 2: Schwermetall & Schlamm-Analyse

Projekt: EXPLORER | Team Project-ID-014-250708-1028 – AQUA SOLV

Lage: NAWITA See-ID: 103

Team: Axel Einsenack, Dr. Stefan Nehreing, Michael Thees

Sondierung gestartet. Die Sicht war besser als bei den letzten Bergungen. Die Koordination mit dem Auftraggeber vor Ort lief wie geschmiert. Wir arbeiteten mit 1,5 m Buddyleine im 3-Meter-Korridor.

EinstiegAusrichtungCharakteristik
Steg335°Bis 1,5 m steiniger Grund. Danach Sediment-Overload (1 m tief, steigend).
Wald270°Steiniger Untergrund, massive Brocken. Schlamm überlagert Blocksteine.

Nachtrag Tag 2 (NAWITA See-ID: 13): Versuch zur Seil-Lokalisierung auf 30 m. Dritter Anlauf, andere Gradzahl. Kein Erfolg. Ich war sauer. Punkt.


TAG 3: Der Durchbruch bei Morpheus

Projekt: EXPLORER | Team – Project-ID-016-260304-Morpheus

Lage: NAWITA See-ID: 13

Team: Dr. Stefan Nehreing, Michael Thees

Eigentlich stand ein anderer Spot auf dem Plan. Aber der Misserfolg mit dem Drahtseil ließ mir keine Ruhe. Also zurück an die 13.

Ergebnis: Drahtseil lokalisiert und in die Tiefe verfolgt. Markierungsboje gesetzt. Im zweiten Tauchgang haben wir die Gradzahl fixiert und das Seil final markiert.

Warum der Aufriss? Wir brauchen einen präzisen Ausgangspunkt, um das „Paket“ sicher zu versenken. Wir markieren die Stelle redundant von zwei Positionen. Falls sich ein Habitat verändert, bleibt die Ortung stabil. Sicherheit geht vor, besonders bei Nullsicht.


TAG 4: Dekompression für den Kopf

Lage: NAWITA See-ID: 20

Team: Dr. Stefan Nehreing, Michael Thees

Der letzte Tag gehörte dem Team-Spirit. Zwei Tauchgänge ohne Messbrett oder Probenbeutel. Einfach nur Wasser. Muss auch mal sein.


Danke an alle Beteiligen…

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